Zeitungsarchiv aus Bramsche nicht mehr wegzudenken

Bramscher Nachrichten, 21. Juni 2008

Von Rainer Drewes

Seit zehn Jahren betreut der Bramscher Heimat- und Verkehrsvereins (HVV) das Zeitungsarchiv am Heinrich-Beerbom-Platz. Grund genug für eine Geburtstagsfeier mit einem ganz besonderen Geschenk.

08-06-21

Ihren Dank an den Archivleiter Erich Goltze (Mitte) sprach Bürgermeisterin Liesel Höltermann aus. Markus Keppeler (rechts) brachte als Geschenk den Nachlass der Gresel-Stiftung mit.
Im bislang auf zwei Räume des ehemaligen Arbeitsamtes beschränkten Archiv lagern die Ausgaben der Bramscher Nachrichten von 1894 bis 2006 sowie weitere wertvolle Dokumente zur Geschichte der Tuchmacherstadt. Wie der Vorsitzende des HVV, Gerhard Müller, ausführte, wurden diese Räumlichkeiten in jüngster Zeit durch Einbauschränke und andere Maßnahmen in Eigenarbeit vervollständigt und bieten so allen Interessierten die Möglichkeit, Einblick in die Geschichte zu nehmen.
Erich Goltze, der das Archiv von Beginn an leitet, gab einen kurzen Überblick über Entstehung, Ausbau und Nutzungsmöglichkeiten des Archivs. Im Frühjahr 1978 bat ihn die Stadt Bramsche, eine Broschüre über "50 Jahre Stadtrechte" zu verfassen. Bei Recherchen in den um 1970 eingemeindeten Dörfern machte Goltze beim Besuch in Achmer eine überraschende Entdeckung. In einem Kellerraum lagerte ein Berg alter gebundener Zeitungen, in wahrhaft traurigem Zustand auf dem Fußboden liegend. Es handelte sich um die Bramscher Nachrichten von 1894 bis etwa 1960. Wie waren sie dort hingekommen?
Die Antwort ließ sich recherchieren: Als der Druck der Bramscher Nachrichten Mitte der fünfziger Jahre von der Osnabrücker Tagespost übernommen wurde, kaufte die Kreissparkasse Bersenbrück der Druckerei Brauer die gebundenen Zeitungsbände ab und schenkte sie der Stadt Bramsche. Dort gerieten sie wohl in wenig kundige Hände, und die Form der Lagerung führte zu erheblichen Schäden.
Hier nun ergriff der Heimatverein mit Alfred Gottlieb und Erwin Busch die Initiative. Mit Hilfe der Stadt wurden die Zeitungsbände in einem Raum der Stadtwerke trocken gelagert, um von dort schließlich in die heutigen Räumlichkeiten überführt zu werden. Am 16. März 1998 kam es dann zu einem ersten Gespräch zwischen der Stadt und dem damaligen Vorsitzenden des HVV Werner Sielemann, das zur offiziellen Gründung des Archivs am 18. Juni 1998 führte.
Um die Benutzung der zum Teil schon erheblich vergilbten Zeitungen zu ermöglichen, gelang es dem HVV mit Hilfe des Staatsarchivs in Osnabrück einen Großteil der Bände zu ‚verfilmen‘. Der Originalfilm geht an das Landesarchiv in Bückeburg. Von dort erhalten das Staatsarchiv sowie der HVV jeweils eine Kopie. Auf diese Weise sind bis heute die Jahrgänge von 1894 bis 1960 verfilmt. Im Archiv ist es nun möglich, von diesen Filmen einzelne Kopien oder auch komplette Zeitungen herzustellen.
Mit Hilfe großzügiger Spenden seitens der Stadt, der Oldenburger Landesbank, der Volksbank und insbesondere der Kreissparkasse Bersenbrück konnten teure Vervielfältigungsgeräte angeschafft werden. Die Firma Siegfrid Sander aus Osnabrück schenkte dem Verein ein dringend benötigtes DIN-A3-Kopiergerät.
Das Zeitungsarchiv ist unterdessen nicht mehr aus Bramsche wegzudenken. Wer immer etwas über die jüngste Vergangenheit erfahren möchte, kann in den zum Teil schon neu eingebundenen ‚dicken Wälzern‘ stöbern. Auf Wunsch werden Auszugs- oder komplette Kopien angefertigt. Viele Bramscher nutzen dieses Angebot und verschenken die Kopien zu runden Geburts- und Gedenktagen. Vereine ergänzen ihre Chroniken, Schüler suchen mit großer Begeisterung in den alten Zeitungen nach Themen für den Geschichtsunterricht, selbst Gäste von auswärts oder aus dem Ausland, die in der alten Heimat nach ihren Familienwurzeln forschen, begrüßen Erich Goltze und sein Mitarbeiter Günther Surendorf. In der "Alten Post" und im "Café Vielfalt" kann jeder wöchentlich Einblick in eine Samstagsausgabe der Bramscher Nachrichten von vor 50 Jahren nehmen.
Neuerdings wird nun vonseiten des HVV angedacht, das Zeitungsarchiv zu einem Stadtarchiv zu erweitern. Immer mehr Bramscher bieten alte wertvolle Unterlagen, Bücher, Bilder und Filme an. So übergab das Ehepaar Keppler am Mittwoch der Stadt und dem HVV den Nachlass der Gresel-Stiftung, die von den Nazis verboten wurde, in einer Metallkiste den Weltkrieg überstand und auf dem Boden des elterlichen Hauses Storch am Mühlenort die Zeitläufte überstand. Schon jetzt ist abzusehen, dass der vorhandene Platz nicht ausreichen wird. Bürgermeisterin Höltermann sah diese Problematik ebenfalls, hofft aber weiterhin darauf, dass der HVV die Arbeit im und am Archiv in bewährter Weise fortsetzen wird.
Das Zeitungsarchiv ist donnerstags von 16 bis 18 Uhr für Besucher geöffnet.

 

 

 

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