Bramscher Nachrichten, 23. Juli 2010

Plattdeutsch soll nicht sterben

wek – Das Plattdeutsche soll nicht sterben. Dieses Ziel haben sich Kreisheimatbund und Universität Oldenburg gesetzt.

In Bramsche hat deshalb eine Runde engagierter Senioren ihr heimatliches Idiom auf Tonträger gebannt.

 Plattdeutsch_-_2010

Die Aufnahme läuft: Erich Stiening, Wilhelm Kuhlmann, Walter Brockmann, Friedhelm Hackmann, Günter Surendorf und Otto Waldkötter (im Bild von links) lesen plattdeutsche Texte.

Foto: Hildegard Wekenborg

Im September vergangenen Jahres war Professor Jörg Peters vom Fachbereich Sprach- und Kulturwissenschaften der Carl-von-Ossietzky-Universität an den Heimatbund herangetreten, um den aktuellen Stand der plattdeutschen Sprache zu belegen und wissenschaftlich zu dokumentieren. Hintergrund ist die Befürchtung, die lebendige Muttersprache könne in einigen Jahrzehnten möglicherweise aus dem Sprachschatz verschwunden sein.

 

Die verschiedenen Mitgliedsvereine wurden angeschrieben. Im Raum Bramsche fanden sich Mitstreiter außer aus der Tuchmacherstadt selbst aus Engter und aus Achmer. Der Heimatverein Bramsche beteiligte sich übrigens auch deshalb an dem Projekt, weil Bramsche als nördlichste Bastion des Osnabrücker Platt gilt. Unter Federführung von Walter Brockmann befasste sich der Arbeitskreis „Wi küert Platt“ mit dem Projekt.

 

Alfred Gröne, Friedhelm Hackmann, Wilhelm Kuhlmann, Erich Stiening und Otto Waldkötter übersetzten die von den Wissenschaftlern vorgegebenen Texte und Sätze in ihr persönliches Idiom. Erich Stiening bereicherte das Ganze mit einem zusätzlichen Beitrag über das Tuchmacherwesen. Im Zeitungsarchiv des Heimat- und Verkehrsvereins wurden die Texte dann mit technischer Unterstützung von Archiv-Mitarbeiter Günter Surendorf aufgenommen und schließlich auf DVD gebrannt.

 

Im Lauf der Zeit entwickelten sich die Plattdeutsch-Freunde zu regelrechten Mikrofon-Profis. Alle Fenster müssen geschlossen sein, damit weder Martinshorn noch Vogelgezwitscher die Aufnahmen beeinträchtigten. Das Aufnahmegerät muss immer im gleichen Abstand zu den Vortragenden bleiben. Wegdrehen oder Stuhlrücken ist streng untersagt. Aber war doch einmal ein überflüssiges Räuspern zu hören, war Surendorf mit dem Computer gefragt.

 

In dieser Woche traf sich die Gruppe unter Leitung von Friedhelm Hackmann zu einem abschließenden freien Gespräch mit örtlicher Thematik. Dieses Gespräch und die Tuchmachergeschichte Stienings sollen später Eingang in ein Hörbuch mit ortsbezogenen Sagen oder Anekdoten finden.

 

Aber das ist vorerst noch Zukunftsmusik. Richtigen Kennern der Materie dürften in dieser Gesprächsrunde dann die feinen Unterschiede auffallen, die das Engteraner vom Achmeraner Platt unterscheidet oder, wie Stiening mit Blick auf seinen Mitstreiter Kuhlmann augenzwinkernd meint, „das vom Mühlenort von dem vom Bramscher Berg“.

 

Walter Brockmann, der das Projekt federführend betreut und den Kontakt zu den Oldenburger Forschern hielt, las und sprach übrigens nicht mit. Er ist nämlich in dieser Runde fast ein Ausländer. Der ehemalige AOK-Chef spricht das Platt der Gegend um Melle mit einem Einschlag mütterlicherseits aus Westfalen.

 

 

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