Bramscher Nachrichten, 21. Februar 2019

Karl-Heinz Stock zum Ehrenmitglied ernannt

Heimat- und Verkehrsverein würdigt Engagement für das Glockenspiel in der Mühlenstraße

Von Peter Selter

Ehrenmitglied

Der „Kümmerer“ des Bramscher Glockenspiels, Karl-Heinz Stock (links) wurde zum Ehrenmitglied ernannt.

Vereinsvorsitzender Gerhard Müller überreichte die Ehrenurkunde.

Foto: Peter Selter

BRAMSCHE. Wie aktiv die gut 260 Mitglieder des Heimat- und Verkehrsvereins Bramsche sind, präsentierten sie jetzt auf ihrer Jahreshauptversammlung.

„Wir können auf ein lebhaftes Jahr zurückblicken“ betonte Gerhard Müller beim Blick auf die zahlreichen Aktivitäten des über 130 Jahre alten Vereins. Allein zehn Nachmittagswanderungen, sechs Etappenwanderungen, zwei Fahrradwanderungen, eine Aktiv-Wanderung und eine Seniorenwanderung hätten auf dem Programm gestanden. Zudem sei im Herbst eine Wanderwoche im Harz organisiert worden. Die Studienfahrt führte die Wanderfreunde zum Glockenmuseum, zur Glockengießerei nach Gescher und zum Schloss Raesfeld. Das historische Essen des Vereins und die Teilnahme am Weihnachtsmarkt in der Bramscher Altstadt hätten die Aktivitäten der Heimat- und Verkehrsfreunde abgerundet, so der Vorsitzende vor den gut 60 Mitgliedern, die sich auf den Weg zur Jahreshauptversammlung in die Gaststätte Fasanenkrug gemacht hatten.

Vom ersten Tag an habe sich Karl-Heinz Stock um das Glockenspiel an der Giebelwand des Hauses Mühlenstraße 11 gekümmert. Innenstadtbesucher können sich dabei zwei Mal täglich an jeweils zwei der Jahreszeit angepassten Liedern erfreuen. Jetzt wählte die Vereinsversammlung den engagierten Heimatfreund einstimmig zu ihrem Ehrenmitglied.

Vortrag von Karsten Igel

Historiker Dr. Karsten Igel als Geschäftsführer von „Igel Gartenkultur“ lud die Vereinsmitglieder mit seinem Vortrag „Geschichte im Park – der Hof Igel im Herzen der Osnabrücker Landesgeschichte“ nach einem gemeinsamen Grünkohlessen zu einer Zeitreise in die Vergangenheit des Osnabrücker Nordlandes ein. Heute zählt der Hof und Betrieb Igel zu den größten Gartenbaumschulen Deutschlands.

Geschichte und Botanik lasse sich mit Blick auf die Geschichte des im Jahr 1416 erstmalig erwähnten Hofes wunderbar miteinander verknüpfen, so Karsten Igel. Nachdem der Hof im Jahr 1622 an den Rat der Stadt Osnabrück verkauft worden sei, habe sich im Jahr 1648 der Bau des heutigen Bauernhauses angeschlossen. Im Jahr 1834 sei der Hof schließlich aus der Grundherrschaft abgelöst worden, nachdem das Ablösungsgesetz im damaligen Königreich Hannover eingeführt worden sei.

Dezidiert erläuterte der Historiker den Zuhörern verschiedene Urkunden und Tabellen mit Viehzählungen oder Ernteerträgen, um einen Überblick zu den damaligen Lebensverhältnissen zu geben. Immer wieder ließen sich aus den historischen Dokumenten die damalige Landschaftsstruktur, die Grenzverläufe oder die Zahl der Wasser- und Windmühlen bis hin zu den konkreten Nutzungen herauslesen, so Igel.

Mittlerweile habe der Hof Igel ein Ausstellungsprojekt mit vier Einzelausstellungen über elf Jahre zur Osnabrücker Landesgeschichte begonnen. Nachdem in den Jahren 2016 und 2017 die Ausstellung Bauernland Osnabrück gelaufen sei, sei aktuell die Ausstellung Kirchenland Osnabrück bis zum Jahr 2020 zu sehen. Für den Zeitraum von 2021 bis 2023 sei die Aufstellung Burgenland Osnabrück in Vorbereitung. Danach schließe sich das Thema Städteland Osnabrück von 2024 bis 2026 an. Zu den Themen gebe es eine Menge an hochinteressantem Material, so der Historiker.

Neues Material sei auch dem Heimat- und Verkehrsverein Bramsche zur Verfügung gestellt worden, berichtete Archivleiter Erich Goltze. Sämtliche Unterlagen des „Historischen Vereins“ der Stadt mit zahlreichen Beschreibungen von alten Häusern lägen dem Heimat- und Verkehrsverein jetzt vor. Erneut müssten sie jetzt das Gespräch mit der Stadt Bramsche suchen, betonte Gerhard Müller, denn die Räumlichkeiten des Vereins würden vom Platz her einfach nicht mehr ausreichen, so der Vorsitzende.

 

 

 

Bramscher Nachrichten, 27. Februar 2019

Heimatverein braucht Hilfe

Splitter aus den Ortsräten Bramsche, Kalkriese und Hesepe

BRAMSCHE Der Heimat- und Verkehrsverein Bramsche fühle sich von der Stadt Bramsche „sehr stief-mütterlich behandelt“, klagte Imke Märkl (CDU) in der Sitzung des Ortsrates Bramsche. Das Archiv im Parteienhaus am Heinrich-Beerbom-Platz sei nicht mehr groß genug für die vielen Zeugnisse Bramscher Geschichte, die hier gesammelt würden. Außerdem brauche der Verein auch personelle Unterstützung. Wenn die CDU mehr Personal bei der Stadt genehmige, sei da etwas zu machen, entgegnete Bürgermeister Heiner Pahlmann (SPD). […]

 

 

 

Bramscher Nachrichten, 28. März 2019

Wanderer ausgezeichnet

Wandererauszeichnung

BRAMSCHE Der Deutsche Wanderverband belohnt Wanderer mit Urkunden und Abzeichen, wenn sie an mindestens zehn Wanderungen teilnehmen und dabei mindestens 200 Kilometer zurücklegen. Für das erste Mal gibt es Urkunde und Bronzeabzeichen, für das dritte Mal Urkunde und Silberabzeichen und für die fünfte Teilnahme Urkunde und Goldabzeichen. In 2018 haben 14 Bramscher Wanderer, zwei mehr als 2017, die jeweiligen Bedingungen erfüllt und bei der Jahreshauptversammlung des Heimat- und Verkehrsvereins die Auszeichnungen bekommen. Dieses Ergebnis soll auch 2019 durch die Eintragung im Wander-Fitness-Pass erreicht und evtl. verbessert werden.

Foto: Gerhard Müller/HVV

 

 

 

Bramscher Nachrichten, 29. März 2019

Was der HVV Bramsche zu bieten hat

Heimat- und Verkehrsverein: Geschichte erkunden / Wandern / Neues und Natur entdecken

Baumbeschneiden

Im Einsatz für die Natur: In Zusammenarbeit mit der Integrierten Gesamtschule Bramsche und der Baumschule Igel hat der HVV zehn neue Obstbäume alter Sorten gepflanzt.

Foto: Heimat- und Verkehrsverein Bramsche

Seit 1888 gibt es den HVV, wobei die Bezeichnung ‚Verkehrsverein‘ an die Gründungszeit erinnert, in der auch die Interessen der Touristen und des Hotelgewerbes Berücksichtigung fanden. Heute hat der Verein fast 270 Mitglieder.

Drei große Schwerpunkte bestimmen seine Tätigkeiten: Zum einen soll die regionale Geschichte erkundet werden. Das geschieht zum Beispiel im Zeitungsarchiv am Heinrich-Beerbom-Platz, in der die Bramscher Nachrichten seit 1894 fast vollständig aufbewahrt und ausgewertet werden. Wer immer Fragen zu bestimmten Familien, über vergangene Ereignisse, über die Gründung und Existenz Bramscher Institutionen oder Betriebe hat, der wird hier fachkundig durch Erich Goltze und Günter Surendorf in die vorhandenen Materialien eingeführt. Auch Faksimilieausgaben zu Geburtstagen oder Jubiläen werden gern zusammengestellt. Da die beiden Räume im Parteienhaus bald aus allen Nähten platzen, kann der Weg zu einem Stadtarchiv nur in dem Bereitstellen weiterer Räumlichkeiten liegen. Hier ist die Stadt gefordert.

Das zweite Standbein des Vereins sind die Wander- und Fahrradwanderaktivitäten. Neben den beliebten Nachmittagswanderungen an jedem 2. Sonntag im Monat von 13.00 bis 17.00 Uhr bietet der HVV Etappenwanderungen an, die an fünf oder sechs Terminen im Jahr stattfinden. So wird 2019 zum Beispiel der Wittekindsweg in Angriff genommen. Seit einigen Jahren werden auch mehrtägige Herbstwanderungen durchgeführt. Beliebt sind außerdem die Fahrradwanderungen. Termine finden sich in der lokalen Presse und auf der Internetseite des Vereins.

Neues zu entdecken – auch das ist die Aufgabe des HVV. Die Städte- und Studienfahrten führen über den heimatlichen Kreis hinaus. Führungen und Besichtigungen zeigen den Teilnehmern Sehenswürdigkeiten und Landschaften, die sie bisher meist nicht so kannten. 2018 waren die Glockenstadt Gescher und das Wasserschloss Raesfeld im westlichen Westfalen die Ziele dieser Fahrten.

Historisches Essen

Was wäre aber ein Verein ohne Geselligkeit? Zum 31. Mal wurde in diesem Jahr das Historische Essen in der Gaststätte Bischof-Reddehase gefeiert. Rezepte aus alten Kochbüchern, liebevoll vom Team der Gaststätte zubereitet, erfreuten nicht nur die Feinschmecker. Ebenso das leckere Grünkohlessen im Winter im „Fasanenkrug“, das mit der Jahreshauptversammlung gekoppelt ist. Hier werden in der Regel auch musikalische und szenische Darbietungen, Vorträge u. ä. mehr den Besuchern geboten.

Schließlich die Natur. Auf Anregung des Wanderwartes Gerd Wippermann wurde eine schon vorhandene, aber durch jahrelangen Stillstand in einem schlechten Zustand befindliche Streuobstwiese hinter der integrierten Gesamtschule Bramsche vom Heimatverein Bramsche im Frühjahr durch Pflegemaßnahmen wie Baumschnitt, Düngung und anlegen einer Bienenweide wieder in einem guten Zustand versetzt. In Zusammenarbeit mit der IGS und der Baumschule Igel hat der HVV zehn neue Obstbäume alter Sorten (z. B. Jakob Lebel, Kaiser Wilhelm, Gute Luise usw.) gepflanzt. Die Schüler der Klasse 5 Umwelt haben mit großem Eifer zu Spaten und Schaufel gegriffen und die Bäume unter Anleitung eines Mitarbeiters der Firma Igel und ihrer Lehrerin, Frau Mählmann, gepflanzt. Jeweils drei Schüler wurden jedem Baum als „Baumpaten“ zugeteilt. Diese Aktion finanzierte die Bingo-Umweltstiftung.

Ehrenamtlich tätig

Ein bis zum Oktober auf der Landesgartenschau in Bad Iburg stehendes Insektenhotel hat weiterhin auf dieser Streuobstwiese einen neuen Platz gefunden. Gebaut wurde es vom BUND, Kreisgruppe Osnabrück. Der Heimatverein Bramsche konnte es, mit finanzieller Unterstützung der Naturschutzstiftung des Landkreises Osnabrück, erwerben. Auch den Aufbau dieses großen Insektenhotels hat der Heimatverein Bramsche durchgeführt. Es  dient als Nist- und Überwinterungshilfe für Insekten. Da es immer weniger natürliche Lebensräume für Insekten gibt, sehen wir es als wichtigen Beitrag für die Umwelt allgemein, aber im Besonderen für unsere Streuobstwiese und Bienenweide an.

Was macht der HVV noch? Er unterhält mehrere Wanderwege und Schutzhütten, er betreibt das Glockenspiel am Giebel des Hauses Mühlenstr. 11 in der Nähe des Tuchmachermuseums. Am Münsterplatz gibt es den historischen Stadtplan. Häusertafeln und Straßenlegendenschilder sowie die beiden gußeisernen Grabkreuze auf dem Kirchplatz sind vom HVV angeregt und ausgeführt worden. Die Pflege des Stadtbildes, aber auch der Erhalt der Natur liegt dem Verein am Herzen. Schon häufig hat man sich am Bramscher Ferienspaß und regelmäßig am Weihnachtsmarkt beteiligt. Der HVV ist Mitglied im Kreisheimatbund Bersenbrück und im Wiehengebirgsverband. Alle diese Aktivitäten werden ehrenamtlich geleistet.

Der HVV sucht neue Mitglieder. Übernehmen Sie Verantwortung für Ihre Stadt. Wir freuen uns über jede neue Mitgliedschaft, aber auch über jeden Gast, der an irgendeiner unserer Veranstaltungen teilnehmen möchte. Alle sind herzlich eingeladen.

Informationen/Kontakt: Vorsitzender Gerhard Müller, e-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder Tel. 05461/62241.

 

 

 

Bramscher Nachrichten, 21. Mai 2019

Ausflug nach Lohne

Fahrt des Heimat- und Verkehrsvereins

Städtefahrt

Foto: HVV Bramsche

BRAMSCHE Bei herrlichem Sonnenschein machten sich die Teilnehmer der Städtefahrt des Heimat- und Verkehrsvereins Bramsche auf den Weg ins nahe, doch den meisten unbekannte Städtchen Lohne.

Lohne, etwas größer als Bramsche, besitzt in seinen Mauern ein Industriemuseum, das einen Besuch lohnt. Bereits im 18. Jahrhundert überlegten sich Lohner Kaufleute und Unternehmer, wie sie in dem südoldenburgischen Städtchen frühindustrielle Produktionen für den wirtschaftlichen Aufschwung nutzen konnten. Es begann mit der Fertigung von Schreibfedern aus Gänsefedern, die alsbald in alle Welt versandt wurden. Lohner Zigarren, Pinsel und Bürsten und schließlich Flaschenkorken folgten.

Nach dem Krieg begann die Kunststoffproduktion in Lohne. Es gibt wohl keinen Haushalt in Deutschland, in dem sich nicht irgendein Produktteil aus Kunststoff findet, der nicht aus Lohne stammt: Lebensmittel-Verpackungen, Shampooflaschen, Lippenstifthüllen und sogar Bauteile für Autos.

Der berühmte „Lohner Wind“, auch unter schwierigen Bedingungen, Lösungen für den wirtschaftlichen Erfolg zu finden, konnte den Besuchern vermittelt werden. Nach leckerem Kuchen und Kaffee wurde in guter Stimmung die Heimfahrt angetreten.

 

 

 

Bramscher Nachrichten, 4. Juli 2019

Heimatverein mit dem Rad unterwegs

Ausflug zum Kronensee und ins Heimatmuseum Schwagstorf

Fahrradwanderung

Rund 50 Kilometer geradelt sind die Teilnehmer eines Ausflugs, zu dem der Heimat- und Verkehrsverein eingeladen hatte.

Foto: HVV Bramsche

BRAMSCHE Bei idealem Wetter zum Radfahren haben 16 Teilnehmer eines Ausflugs, zu dem der Heimat-und Verkehrsverein Bramsche eingeladen hatte, eine Strecke von 50 Kilometern zurückgelegt und den rund 40 Hektar großen Kronensee in Ostercappeln besucht.

Obwohl der See als ehemalige Kies- und Sandgrube künstlich angelegt wurde, ist dort eine grüne Oase entstanden.

Danach hat die Gruppe das Heimatmuseum Schwagstorf besucht. Während der interressanten Führung durch das Museum sind wohl bei allen Mitfahrern Kindheitserinnerungen wach geworden.

pm

 

 

 

Bramscher Nachrichten, 18. Juli 2019

Mit 94 Jahren ältester Wanderer

94

BRAMSCHE Rund 30.000 Teilnehmer bewegten sich beim Deutschen Wandertag unter dem Motto „Treffen der Generationen“ in der Wanderregion Sauerland – Schmallenberg – Winterberg, wobei etwa 7000 Teilnehmer den Festumzug bildeten und über 11000 das bunte Geschehen beobachteten. Natürlich waren auch Bramscher Wanderer dabei.

Der Deutsche Wanderverband bot unter anderem für rüstige Wanderer über 80 einen Seniorenkaffee an, der von einem Kinderchor musikalisch umrahmt wurde. Walter Brockmann vom Heimat- und Verkehrsverein Bramsche (rechts) war mit 94 Jahren der älteste Gast und wurde mit einem Präsent geehrt. Das Ehepaar Lülker begleitete ihn.

Foto: HVV

 

Bramscher Nachrichten, 19. September 2019

 

Im Renaissance-Schloß

Studienfahrt des HVV nach Neustadt und zum Steinhuder Meer

 

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Die Reisegruppe aus Bramsche vor dem Schloss Landestrost

Foto: Gerhard Müller

Bramsche Die Studienfahrt des Heimat- und Verkehrsvereins führte 52 Personen bei schönstem Spätsommerwetter nach Neustadt am Rübenberge und ans Steinhuder Meer.

Zunächst wurde unter kundiger Führung das Weserrenaissance-Schloss Landestrost und der sich anschließende Schlossgarten in Neustadt besichtigt, erbaut unter Erich II., Herzog zu Braunschweig-Lüneburg und Fürst zu Calenberg-Göttingen, ein im 16. Jahrhundert bedeutender Söldnerführer. Das Schloss und die Stadt Neustadt wurden unter seiner Regentschaft zu einer Festungsanlage mit Zitadelle, Kasematten, Wällen und Bastionen ausgebaut.

Nachdem das Gebäude zwischenzeitlich vielen unterschiedlichen Zwecken diente, baulich stark verändert, wurde es ab 1985 mit großem Aufwand renoviert und weitgehend in seinen ursprünglichen baulichen Zustand zurückversetzt. Die Kosten beliefen sich auf 9 Millionen DM.

Heute ist das Schloss im Besitz der Stiftung Kulturregion Hannover. Im Gebäude befinden sich u. a. Niedersachsens einzige Sektkellerei, Standesamt, Amtsgericht, Stadtbibliothek und das Archiv der Region Hannover. Es wird für Konzerte und Ausstellungen genutzt. Zudem können Räume für Veranstaltungen gemietet werden.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen im Alten Rathaus in Neustadt fuhr man nach Steinhude, um das gleichnamige Meer zu erkunden. In einer eineinhalbstündigen Rundfahrt bei Kaffee und Kuchen wurden Hinweise auf Naturschutz und Nutzung gegeben sowie die künstlich angelegte Festungsinsel Wilhelmstein umrundet. Auch hier zeigten sich die Folgen der beiden letzten heißen Sommer. Um nicht auf Grund zulaufen, mussten sich die Fahrgäste beim Ab- sowie beim Anlagen im vorderen Teil des Schiffes aufhalten: Dem Steinhuder Meer fehlen ca. 50 cm am normalen Wasserstand.

Gegen 19.00 Uhr trafen alle Teilnehmer wohlbehalten und gutgelaunt wieder in Bramsche ein.

Gerhard Müller

 

 

Bramscher Nachrichten, 23. September 2019

Fitnesstranung für Körper und Geist

Heimatfreunde wandern im Westerwald

BRAMSCHE Die traditionelle Herbstwanderung des Heimat- und Verkehrsverein Bramsche führte dieses Jahr auf die Höhen des Westerwaldes.

Wiesen und Wälder, Wasser und Weitblick – vier W begleiteten 20 Wanderer im Westerwald auf Schritt und Tritt. Die schönsten fünf Etappen des Steiges wurden auf insgesamt 73 Kilometern erwandert. Es ging über Höhen, mit wunderschönen Ausblicken und durch wild romantische Täler, teils in den Fußstapfen von Friedrich Wilhelm Raiffeisen, der hier gewirkt hatte. Der Weg führte oftmals direkt an den Flüssen Nister und Wied entlang.

Aber auch das Kulturelle kam nicht zu kurz. Besonders schön war das Kloster Marienstatt mit seinem schönen Klostergarten und einer imposanten Kirche. Ein unter Platanen gelegener Biergarten bot sich ideal für eine Pause an.

Die Fachwerkstadt Hachenburg mit dem kleinen, aber feinen Museumsdorf war ein weiterer Höhepunkt auf der Wanderung. Die Gebäude und Sammlung des Museums gaben einen Einblick in die Geschichte des Westerwaldes und seiner Bewohner.

Der obligatorische Kulturtag führte diesmal in die schöne Stadt Limburg an der Lahn. Auf einer Stadtführung erfuhren die Besucher viel über die Geschichte der Stadt, ihre Bewohner und die schönen Fachwerkhäuser, die es in besonders großer Anzahl in Limburg gibt. Besichtigt wurde auch der Limburger Dom, der mit seinen sieben Türmen oberhalb der Altstadt thront, und der ehemalige, sehr umstrittene Bischofssitz von Tebartz-van Elst. Das Fazit der Teilnehmer nach der Wanderwoche: Es war ein Fitnesstraining für Körper und Geist, wobei die Geselligkeit nicht zu kurz kam.

pm

Wanderwoche 2019

Die Teilnehmer an der Wanderung des Heimat- und Verkehrsvereins.

Foto: Wippermann

 

Bramscher Nachrichten, 2. Oktober 2019

Neue Info-Tafel auf der Streuobstwiese

Heimatverein und IGS wollen Nistkästen aufhängen

BRAMSCHE Der Heimat-und Verkehrsverein Bramsche hat auf der Streuobstwiese an der Integrierten Gesamtschule Bramsche eine Info-Tafel aufgestellt. Diese soll den Besuchern die Bedeutung einer Streuobstwiese für die Landschaftspflege, den Naturschutz, die Tierwelt und als Kulturgut näherbringen.

Trotz des trockenen Sommers seien die im Herbst vergangenen Jahres angepflanzten Bäume gut angewachsen und werden in den nächsten Jahren hoffentlich viele Früchte tragen. Nur die Bienenweide habe unter der Trockenheit gelitten und werde im Frühjahr neu eingesät. In Zusammenarbeit mit der In-tegrierten Gesamtschule Bramsche sollen noch Nistkästen für verschiedene Vogelarten auf der Wiese aufgehängt werden, schreibt der Heimat- und Verkehrsverein in einer Pressemitteilung.

Wer Interesse habe, im Steuobstwiesen-Team mitzuarbeiten, sei jederzeit willkommen. Ansprechpartner ist Gerd Wippermann (Telefon 05461 61176).

pm

Info Tafel Streuobstwiese

Das Streuobstwiesen-Team: Günter Kuske, Helmut Bode, Udo Uhl, Bernd Schlömann; Winfried Naumann und Gerd Wippermann (v. l.).

 

 

Bramscher Nachrichten, 6. Oktober 2019

Neue Straßenschilderlegenden

Sechs neue Straßenschilderlegenden befestigte der städtische Betriebshof auf dem Bramscher Berg. Auf Initiative des Heimat- und Verkehrsvereins geben diese Zusatztafeln kurze Erläuterungen  über die Persönlichkeiten, nach der die Straßen benannt sind. So werden die Dichter Gotthold Ephraim Lessing, Gerhart Hauptmann und Ludwig Uhland gewürdigt, daneben Anne Frank, die ein erschütterndes Tagebuch über ihre Kindheit im Dritten Reich verfasste, der Philosoph Immanuel Kant und der österreichisch-ungarische Mediziner Ignaz Semmelweiss. Insgesamt sind nun im Stadtgebiet über 70 Legenden zu finden.

Franz Josef Ahrens Jürgen Mai und Rainer Drewes 2

Auf dem Foto Franz-Josef Ahrens und Jürgen Mai vom Betriebshof sowie Dr. Rainer Drewes vom HVV.

Foto: Gerhard Müller

 

 

Bramscher Nachrichten, 16. Oktober 2019

Ein Schatz der Zeitgeschichte

Archiv des Bramscher verwaltet Bramscher Nachrichten

Von Ilona Ebenthal

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Mit viel Herzblut kümmern sich Erich Goltze (stehend) und Günter Surendorf um das Bramscher Archiv.

Foto: Ilona Ebenthal

Bramsche. Auf einem großen Schatz der Bramscher Zeitgeschichte sitzt der Heimat- und Verkehrsverein Bramsche. Im Parteienhaus am Heinrich-Beerbom-Platz findet sich das Zeitungsarchiv, das weit mehr als Zeitungen beherbergt. Wir machen uns auf eine spannende Reise in einfachen und beengten Räumlichkeiten.

Jeden Donnerstag von 15 bis 18 Uhr öffnen Archiv-Leiter Erich Goltze und seine Mitstreiter die Türen für die Öffentlichkeit. Im Dachgeschoss unter den Schrägen im Versammlungsraum befinden sich rundum Einbauschränke, die Goltze für uns nach und nach öffnet.

Hinter jeder Klappe liegen große Stapel mit dicken Bänden. Die Bramscher Nachrichten seit 1894 nehmen viel Platz ein. Auch die zeitweilig erschienenen Exemplare des „Bramscher Tageblatts“ und der „Freie Presse“ finden sich hier. Wo früher ein Jahr in einen Band passte, ist es heute ein Monat. Wie ist der 1888 gegründete Heimat- und Verkehrsverein an die alten Originale gekommen?

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In den Schränken unter der Dachschräge lagern die alten Zeitungsbände mit den Originalen.

Foto: Ilona Ebenthal

Stark lädiert

In den 50er-Jahren kaufte die Kreissparkasse die Zeitungsbände der Druckerei Brauer (Gründer der Bramscher Nachrichten) ab, um sie der Stadt Bramsche zu vermachen. Erst in den 90er-Jahren erfuhr der Heimatverein zufällig davon und übernahm die bei unsachgemäßer Lagerung durch Wasserschäden stark lädierten Bände.

Im Keller des Greselius-Gymnasiums wurden die Zeitungen zuerst getrocknet, erinnert sich der pensionierte Gymnasiallehrer Erich Goltze. In Absprache mit der Stadt Bramsche und dem damaligen Vorsitzenden Werner Sielemann öffnete das Archiv offiziell im Juni 1998 in einem einzigen Raum am Heinrich-Beerbom-Platz, war zunächst aber nur eine Lagerstätte. Der Verein habe darum „lange mit der Stadt gekämpft“, erzählt Goltze. Inzwischen steht das ganze Dachgeschoss zur Verfügung und platzt schon längst wieder aus allen Nähten. Wertvolle Dokumente und Papiere aus Nachlässen werden nämlich weiterhin abgegeben. Aber auch diverse alte Utensilien, die in einem Heimatmuseum gut aufgehoben wären.

Zeitungsarchiv 3

Foto: Ilona Ebenthal

Häuser-Miniaturen

Auf den Schränken, die an einer Stelle als Raumteiler dienen, stehen dicht an dicht zahlreiche Miniaturen von alten Fachwerkhäusern der Innenstadt. Von der St. Martin-Kirche bis zur Alten Post. Der Heimatverein würde die Schmuckstücke gerne angemessen präsentieren, doch Platz ist ja hier Mangelware. Einen alten Kupferstich von „Alt-Bramsche“ gibt es ebenso – Herkunft unbekannt.

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Viele alte Bramscher Gebäude in Miniatur detailgetreu nachgebaut wurden dem Heimatverein vermacht.

Foto: Ilona Ebenthal

Die Besucher kommen jedoch hauptsächlich wegen der Zeitungsbände. Einmal aufgeschlagen, fällt es tatsächlich schwer, sie aus der Hand zu legen, so spannend ist die Zeitreise. Eine junge Frau sucht eine bestimmte Ausgabe aus dem Jahr 1939, um sie ihrer Oma zum 80. Geburtstag zu schenken. Sie hat Glück, denn erst von 1941 bis 1949 gab es keine Bramscher Nachrichten, weil die NSDAP sie verboten hatte, berichtet der Archivleiter. 

Weil alle Zeitungen mithilfe des Osnabrücker Staatsarchivs verfilmt wurden, kann die Ausgabe mit dem Microfilm-Scanner ausfindig gemacht werden. Das Gerät habe damals rund 20.000 DM gekostet und sei von der Kreissparkasse gesponsert worden, weiß Goltze. Weitere Firmen unterstützten den Verein, der daher auch über einen Drucker verfügt, der den Ausdruck der gewünschten Zeitung übernimmt. Bis zu fünf Blätter kosten fünf Euro, dickere Ausgaben zehn Euro. Doch die meisten Besucher legen freudig eine Spende obendrauf. „Damit kommen wir gut klar“, meint Goltze.

Zeitungsarchiv 5

Foto: Ilona Ebenthal

„Neue“ alte Ausgaben

Manchmal frage auch die Stadt an, noch häufiger Vereine, die zum Jubiläum eine Chronik erstellen möchten. Besucher seien jeden Donnerstag hier, erzählt Goltze, der schon viele interessante Gespräche geführt hat. Auch die Schüler seien immer ganz begeistert. „Wir hatten einmal gleichzeitig drei Klassen vom Gymnasium drei bis vier Stunden hier“, berichtet er. „Die Schüler lagen auf dem Fußboden und haben gelesen“, freut sich der Archivleiter.

Jeden Donnerstag verteilt der Heimatverein übrigens Ausdrucke alter Zeitungen im Café Justus, im Café am Hasesee, im Aquarena und in der Alten Post als kostenlosen Service für die Gäste. Außerdem werden dann auch einige Seniorenheime beliefert, wo sie meistens schon erwartet werden, damit daraus vorgelesen werden kann.

Der Aufbau des Archivs, „das war zwar viel Arbeit“, sagt Erich Goltze, „aber es hat unheimlich viel Spaß gemacht“. Nach langer Zeit wird Goltze sein ehrenamtliches Wirken für das Archiv Ende 2019 beenden. Mit Thomas Kaes hat sich bereits ein Nachfolger gefunden, der die Leitung des Archivs übernehmen wird.

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Im Café 1823 und weiteren Gaststätten wird wöchentlich eine „neue“ alte Ausgabe ausgehängt.

Foto: Ilona Ebenthal

 

 

Bramscher Nachrichten, 25. November 2019

HVV stellt neuen Kalender vor

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Foto: Gerhard Müller

HESEPE Zum 32. Historischen Essen trafen sich Mitglieder und Gäste des Heimat- und Verkehrsvereins Bramsche am Freitag im Gasthof Bischof-Reddehase in Hesepe. Auch Bramsches Bürgermeister Heiner Pahlmann zählte zu den Gästen, die sich das historische Menü schmecken ließen. „Solche Veranstaltungen sind schön und wichtig und bereichern das Miteinander", betonte er. Auf der Speisekarte standen Dicke Rippe, Falscher Hase und Geschnetzeltes mit diversen leckeren Beilagen. Zur Einstimmung auf den Abend spielte Dominik Ortner alte Volkslieder auf dem Akkordeon. Michael Gottlieb (Foto) stellte den neuen Kalender des HHV mit historischen Bramscher Motiven und Texten von Dr. Rainer Drewes vor. Der Kalender kann auf dem Bramscher Weihnachtsmarkt, im Tuchmacher-Museum und bei Thalia erworben werden und kostet 18 Euro.

Yvonne Sommer

 

 

Bramscher Nachrichten, 14. Dezember 2019

Platz für historische Bramscher Schätzchen gesucht

Heimatverein pflegt Modelle alter Häuser

Von Heiner Beinke

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Schmuckstücke sind die Miniatur-Nachbauten alter Bramscher Häuser, die Thomas Kaes (links) und Erich Goltze derzeit entstauben. Für sie wird ein angemessener Platz gesucht.

Foto: Heiner Beinke

BRAMSCHE Der Heimat-und Verkehrsverein Bramsehe beklagt mangelndes Interesse der Stadt Bramsche an der eigenen Geschichte. Als aktuelles Beispiel dient eine Sammlung selbst gebauter Miniaturhäuser mit einer ganz besonderen Geschichte, für die sich offenbar kein angemessener Platz finden lässt.

Erich Goltze und Thomas Kaes haben die Schätze auf dem großen Tisch im Zeitungsarchiv des HVV am Heinrich-Beerbom-Platz ausgebreitet. Der Miniatur-Nachbau der St.-Martins-Kirche springt sofort ins Auge, auch die „Alte Post“ ist leicht auszumachen. Doch daneben finden sich auch Modellnachbauten alter Bramscher Häuser, die heute nicht mehr stehen. Das Haus Rinker ist dabei, ebenso das Jüttesche Haus, das früher das Bild am Kirchplatz vervollständigte. Alle Modelle sind liebevoll bis ins kleinste Detail ausgestaltet.

Heimatforscher

Die Schmuckstücke gehören zum Erbe des VHS-Gesprächskreises „Bramsche in Worten“. 25 Jahre lang hat dieser historische Gesprächskreis Bramscher Geschichte aufgearbeitet. Unter anderem hat der Kurs acht Bücher über die Geschichte verschiedener Straßenzüge in der Bramscher Innenstadt veröffentlicht. Darüber hinaus gibt es umfangreiches Material: Berichte über Bramscher Ortsgeschichte, Bramscher Familien und Begebenheiten gehören ebenso dazu wie rund 1.000 Bilder aus der jüngeren und älteren Stadtgeschichte, die bereits sorgfältig archiviert und beschrieben sind.

Nach Auflösung des Gesprächskreises hat Kursteilnehmer Werner Emse das gesamte Material in einem Klassenraum im Schulgebäude an der Jägerstraße gelagert, wo auch die VHS untergebracht ist. Das Material könne „den Grundstock für ein kleines Stadtarchiv“ bilden, meinte er damals. Der Ortsrat Bramsche hatte ihm seinerzeit Unterstützung zugesagt.

Das ist jetzt vier Jahre her, passiert ist seitdem nicht viel. Nun hat Erich Goltze als Leiter des Zeitungsarchivs das Material aus der Gartenstadt abgeholt und zum Heinrich-Beerbom-Platz gebracht. Zusammen mit Thomas Kaes, der seit einigen Monaten ehrenamtlich im Archiv mitarbeitet und der ab dem nächsten Jahr die Leitung übernehmen wird, ist er damit beschäftigt, das Material zu sichten und die Häuser zu entstauben und wo möglich zu reparieren. „Das ist eine Sache für die nächsten Monate“, sagt Kaes

Und was passiert dann? Diese bange Frage stellt sich den Heimatforschern. Er habe die Vision, dass sich die Stadt vielleicht doch noch für ihre Geschichte interessieren könnte, meint Kaes. Auch Goltze sieht die Stadt in der Pflicht, die Häuser angemessen zu präsentieren und das Material zu bewahren. Außerdem platze das Archiv aus allen Nähten und müsse dringend erweitert werden, sagt der 80jährige, der 1998 das Archiv im Dachgeschoss des Hauses am Heinrich-Beerbom-Platz eingerichtet hat. Der Platz für Zeitungsbände der Bramscher Nachrichten, die hier donnerstags zwischen 15 und 18 Uhr eingesehen werden können, wird langsam knapp, eine Erweiterung ist auch wegen des anderen Materials überfällig. „Aber die Stadt will da nicht richtig ran“, bedauert Goltze.

 

 

Bramscher Nachrichten, 27. Dezember 2019

Ein Lehrer die Liebe zu alten Zeitungen

Archiv-Begründer Erich Goltze hört auf / Thomas Kaes übernimmt Betreuung

Von Heiner Beinke

Archiv

Die alten Schlagzeilen haben für Erich Goltze immer noch ihren Reiz.

Foto Ilona Ebenthal

BRAMSCHE Zum Jahresende gibt Erich Goltze die ehrenamtliche Leitung des Bramscher Zeitungsarchives an seinen Nachfolger Thomas Kaes weiter. Jahrzehntelang hat sich Goltze hier für die Bramscher Nachrichten engagiert. Eine besondere Beziehung, die mit einem Zufallsfund begann.

Erich Goltzes Engagement für die Geschichte seiner Heimatstadt begabb im Jahr 1978. Damals wurde der Lehrer des Gymnasiums gebeten, gemeinsam mit seinem Kollegen harald Eichmann an einer Chronik zu 50 Jahren Stadtrechte für Bramsche zu arbeiten, ein Jubiläum, das 1979 ngefeiert wurde.

Seine Recherchen in den Ortsteilen führten ihn unter anderem nach Achmer. Im Keller der Ortsfeuerwehr lagerten dort die bramscher Nachrichten vom Gründungsjahr 1894 bis 1962. Die Zeitungsbände, so fand Goltze heraus, hatte die Kreissparkasse der Druckerei Brauer für 5.000 DM abgekauft und der Stadt Bramsche zum Geschenk gemacht.

„Lieblos" gelagert

Die Stadt allerdings hielt dieses Geschenk nicht besonders in Ehren. Die Bände wurden „in den feuchten Kellerräumen absolut unsachgemäß und lieblos“ gelagert, stellte Goltze fest. Er nahm Kontakt auf zum Vorsitzenden des Bramscher Heimat- und Verkehrsvereins, Alfred Gottlieb, um die Zeitungsbände wenigstens vorübergehend sachgemäß unterzubringen. Erwin Busch, der Leiter des Bramscher Klärwerks, der sich in vielerlei Hinsicht für die Heimatgeschichte engagierte, half ebenfalls.

Erst zehn Jahre später gab es eine Dauerlösung: Der Heimat- und Verkehrsverein einigte sich mit Bürgermeister Ewald Fisse darauf, das Obergeschoss des Parteienhauses am Heinrich-Beerbom-Platz für das Zeitungsarchiv zu nutzen. Zudem einigten sich Goltze und Werner Sielemann als Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins mit den Bramscher Nachrichten auf die Überlassung der neueren Archivbände, um die Sammlung vollständig zu halten.

Auch von diesen Bänden waren einige nicht im besten Zustand. Hier halfen die Buchbinder der Heilpädagogischen Hilfe Bersenbrück, die die Bände wieder auf Vordermann bringen. Die Heimatfreunde Kurt Hawranek und Hermann Schevemann sorgten unterdessen dafür, dass das Obergeschoss als Archiv fachgerecht hergerichtet wurden. Hier lagern nun alle Bände liegend, bei gleichbleibender Raumtemperatur im Dunkeln.

Seit der offiziellen Einweihung ist das Zeitungsarchiv regelmäßig donnerstags von 15 bis 18 Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich. An diesen Tagen ist unter dem Dach des Parteienhauses einiges los. Über viele Jahre sind Kopien der entsprechenden Zeitungsausgaben als Geschenk zu runden Geburtstagen ein Renner. „Ein Trend, der inzwischen etwas nachgelassen hat“, wie Goltze sagt. Der pensionierte Gymnasiallehrer weiß allerdings, dass bei seinen Altersgenossen die alten Zeitungen immer noch eine beliebte Lektüre sind. Regelmäßig bringt er Kopien alter Ausgaben in einige Gaststätten und Altenheime. „Die warten da immer schon darauf“, weiß er.

Bei der Arbeit im Archiv kann sich Goltze seit gut zehn Jahren auf Günter Surendorf verlassen. Er hat alle Bände durchgerarbeitet und ein Stichwortarchiv im PC angelegt, dass es ermöglicht, auch ungewöhnliche Anfragen zu beantworten. Goltze erinnert sich an einen Besucher aus Bremen, der hoffte, etwas über seinen unbekannten polnischen Vater zu erfahren, von dem er außer dem Namen nur wusste, dass er in der Besatzungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg in Bramsche gelebt und seine inzwischen verstorbene Mutter hier kennengelernt hatte. Und er wusste noch, dass sein Vater in Bramsche Fußball gespielt hatte. Das genügte den Detektiven vom Zeitungsarchiv: „Er war mit seiner Fliegereinheit in England abgestürzt“, berichtet Goltze.

Häufig sind die Anfragen profaner. Da möchte jemand wissen, wer 1963 Kinderschützenkönig in Achmer gewesen ist. Goltze braucht nicht lange für die richtige Antwort. Zielsicher greift er sich den richtigen Band mit den Sommermonaten des Jahres und hat die Lösung: Wolfgang Kistritz regierte das Kindervolk in Achmer gemeinsam mit Hannelore Spieker.

Auf der Suche nach Antworten blättern viele Bramscher durch die Bände und bleiben länger, als sie es ursprünglich vorhatten. Die alten Schlagzeilen haben immer noch ihren Reiz. Das gilt auch für Erich Goltze, der nun mit 80 Jahren aber kürzertreten möchte. Deshalb freut es ihn, einen Nachfolger gefunden zu haben: Thomas Kaes ist gebürtiger Bramscher, auch wenn er lange Jahre als Lehrer an der IGS in Fürstenau woanders gewohnt hat. Nun aber ist er im Ruhestand nach Bramsche zurückgekehrt und wohnt ganz in der Nähe des Archivs. Er wolle „die Arbeit ganz in deinem Sinne fortsetzen“, verspricht er seinem Vorgänger, von dem er auch die Sammlung alter Bramscher Häuser übernommen, hat.

Mit ihm zusammen hat er die Hoffnung, dass es gelingt, die Stadt von einem stärkeren Engagement für das Stadtarchiv zu überzeugen. „Die meisten vergleichbaren Städte haben so etwas längst“, sagt Goltze. In Bramsche ist das nur dem ehrenamtlichen Engagement von Heimatfreunden wie Erich Goltze zu verdanken.

 

 

Bramscher Nachrichten, 27. Dezember 2019

Diskussion um Einrichtung eines Stadtarchivs

Bürgermeister reagiert auf Heimatverein

Von Björn Dieckmann

BRAMSCHE Verstärkt hat der Heimat- und Verkehrsverein Bramsche in jüngster Zeit seinen Wunsch vorgetragen, in Bramsche solle ein Stadtarchiv eingerichtet werden. Darauf reagiert nun Bürgermeister Heiner Pahlmann.

Zuletzt hatte der scheidende Leiter des vom Heimat- und Verkehrsverein (HVV) betreuten Zeitungsarchivs Erich Goltze den Wunsch nach einem richtigen Stadtarchiv formuliert, kurz zuvor auch Goltzes Nachfolger in dieser ehrenamtlichen Funktion, Thomas Kaes. Dieser unterstellte, die Stadt habe kein Interesse an ihrer eigenen Geschichte. Als aktuelles Beispiel diente eine Sammlung selbst gebauter Miniaturhäuser von historischen Bramscher Gebäuden, für die sich offenbar kein angemessener Platz finden lässt. Die Räume für das Zeitungsarchiv im sogenannten „Parteienhaus" am Heinrich-Beerbom-Platz seien viel zu klein und platzten aus allen Nähten, betonte auch Goltze.

Zu dem Wunsch nach einem Stadtarchiv sagt nun Bürgermeister Heiner Pahlmann, er habe sich bereits mit dem Vorsitzenden des Heimat- und Verkehrsvereins Gerhard Müller verabredet und werde sich im Januar mit Mitgliedern des zuständigen Stadtrats-Ausschusses zusammensetzen, „um nachzudenken, wie wir da helfen können“ und „wo etwas verbessert werden kann“.

Widersprechen wolle Pahlmann „der Aussage, die Stadt habe kein Interesse an ihrer Geschichte“. Pahlmann stellt vielmehr klar: „Natürlich haben wir daran ein starkes Interesse, das sieht man auch am Tuchmacher-Museum.“ Auch das Zeitungsarchiv, das vom HVV betreut werde, sei schließlich „in einem städtischen Gebäude untergebracht“. Klar sein müsse aber, dass ein Stadtarchiv nicht hauptamtlich besetzt werden könne.

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